Trading-Methoden: Diskretionäres Trading

Trading-Methoden: Diskretionäres Trading

 

Diskretionäres Traden ist Handeln nach Intuition. Es werden also keine in Stein gemeißelten Regeln angewendet. Statt dessen vertraut der Händler auf seine Erfahrung. Je nachdem, welches Marktumfeld gerade vorherrscht und welche vergleichbaren Erfahrungswerte er aus der Vergangenheit auf das aktuelle Szenario anwenden kann, lassen sich so individuelle Trading-Entscheidungen treffen. Daher auch die Bezeichnung dieser Handelsmethode – es wird situativ bedingt mit Diskretion, also persönlichem Handlungsspielraum agiert.

 

Intuition muss allerdings erst über lange Zeit erlernt werden. Es ist die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auf einen Blick richtig einordnen zu können. Man muss dazu unzählige Marktsituationen als Referenzen beobachtet, analysiert und gehandelt haben, um die entsprechenden Muster im Gedächtnis abrufbereit zu haben. Der Trader muss so gut sein, dass er die Entstehung dieser Muster in einem Echtzeit-Chart auch in leicht abgewandelter Form erkennen und im Kontext richtig interpretieren kann. Nur so ist es möglich, rechtzeitig die entsprechenden Positionen zu eröffnen.

 

Diskretionäres Trading ist für Einsteiger kaum profitabel umsetzbar. Der Grund ist, dass ihnen die notwendigen Erfahrungswerte, also Referenzen aus ähnlichen Situationen in der Vergangenheit fehlen. Intuition entsteht oft erst nach jahrelangem Trading, wenn man die Stufe der unbewussten Kompetenz erreicht hat. Das ist der Fall, wenn die richtigen Trading-Prinzipien soweit verinnerlicht sind, dass man in (fast) allen Situationen ohne großes Nachdenken sofort die richtigen Entscheidungen treffen kann. Das lässt sich mit dem Autofahren vergleichen – auch hier wird ein geübter Fahrer in fast allen Situationen intuitiv das Richtige tun.

 

Für viele Einsteiger sind Strategien mit festen Regeln ein besserer Einstieg. Allerdings lässt sich so mancher Trader gleich zu Beginn dazu hinreißen, seine Meinung am Markt umsetzen „zu müssen“. Ohne echte Erfahrung ist dies aber kein diskretionäres Trading, sondern reine Zockerei ohne positive Gewinnerwartung. Dessen muss sich jeder Einsteiger bewusst sein und zumindest vorausschauend mit festen Stopps und möglichst kleinen Positionsgrößen handeln, um das Risiko so weit es geht zu begrenzen.

 

Wer das beachtet, kann sogar einen positiven Effekt haben: Die Lernkurve beschleunigt sich. Man sieht durch Learning by Doing nicht nur recht schnell, was funktionieren kann und was nicht, sondern auch, welches Handelsinstrument, welche Trading-Methode und welcher Zeithorizont am besten zur eigenen Persönlichkeit passen. Da der Versuch, diskretionär zu handeln für Einsteiger aber oft eine ganze Zeit mit Verlusten verbunden ist, kann dieser Weg als Start an der Börse emotional durchaus schwierig werden.

 

 

B1) Diskretionärer Trade im DAX

Der Chart zeigt einen diskretionären, auf Handelserfahrung basierten Trade. Nachdem der Kurs innerhalb von 3 Tagen um rund 400 Punkte gefallen war, gaben die Kurse erneut nach und drohten, nachhaltig unter das bisherige Monatstief zu fallen. Viele technische Strategien triggerten hier den Ausstieg. Doch als der Markt unerwartet das Tief halten konnte, wurden viele auf dem falschen Fuß erwischt. Als erfahrener diskretionärer Trader konnte man hier auf eine solche Bärenfalle mit entsprechender Aufwärtsdynamik (Short Squeeze) setzen und die Position bis zum nächsten Tag halten.

 Chart Dax

Quelle: WH SelfInvest, Nano Trader

 

 

 

 

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