Trading-Grundlagen: Kurslücken

Trading-Grundlagen: Kurslücken

Kurslücken (Gaps) entstehen durch die handelsfreie Zeit zwischen den Tagen. Werden über Nacht kursrelevante Nachrichten – zum Beisiel Quartalszahlen – bekanntgegeben, kann der Eröffnungskurs am nächsten Tag deutlich höher oder tiefer liegen. Bei Währungen sind Gaps nur übers Wochenende möglich, da dies die einzige Handelspause darstellt.

Zwar können Gaps in besonderen Fällen auch intraday auftreten. Die Ursache hierfür sind in der Regel überraschende Nachrichten, die sich sofort auf Angebot und Nachfrage auswirken und dem Markt vorübergehend die Liquidität entziehen.

Wir betrachten hier jedoch nur klassische Overnight Gaps. Diese schlagen sich visuell im Tageschart als „Lücke“ zwischen den Candlesticks nieder. Normale Differenzen von Eröffnungs- zu Schlusskurs, die innerhalb des Kerzenkörpers vom Vortag liegen, stellen dagegen keine Gaps dar.

Grundsätzlich besteht die Tendenz, dass sich Gaps wieder schließen. Mit anderen Worten: Es ist oft zu beobachten, dass im Anschluss an eine Gap-Eröffnung innerhalb der folgenden Tage eine Gegenbewegung einsetzt, im Zuge derer die Lücke wieder geschlossen wird. Mitunter kann dies noch am gleichen Tag geschehen. Große Gaps schließen sich dagegen erst im Laufe von Tagen oder Wochen, und manche Kurslücken bleiben für sehr lange Zeit oder gar für immer bestehen.

Je nach Auftreten des Gaps im Chartverlauf lassen sich drei Typen unterscheiden. Ein Breakaway Gap ist eine Kurslücke, die nach längerer Konsolidierung eine neue Trendbewegung einläutet. Der Kurs bricht sozusagen mit dem Schwung der Nachrichten in einen neuen Trend aus. Es kann passieren, dass dieses Gap (vorübergehend) offen bleibt und der Kurs direkt weiter in Richtung des neuen Trends läuft.

Hat sich der neue Trend etabliert, kann ein Continuation Gap auftreten. Diese Lücke lässt sich als Fortsetzungsformation interpretieren, die den Trend bestätigt. Häufig versuchen Trader, diese scheinbare Übertreibung antizyklisch zu handeln. Kurzfristig kann es zwar zu einer Korrektur kommen, aber in der Regel ist das zweite Gap in einem Trend als prozyklisch zu interpretieren.

Wenn ein Trend schon ziemlich lange besteht, kann ein Exhaustion Gap auftreten. Hier hat sich unter den Marktteilnehmern meist ein klarer Konsens gebildet, dass der Trend fortbesteht. Ein erneutes Gap ist in der Regel als Übertreibung zu interpretieren, in deren Folge sich der Trend erschöpft. Es kann passieren, dass im Anschluss eine größere Korrektur einsetzt oder der Trend sogar ein Ende findet.

Aus Kurslücken lassen sich auch charttechnische Levels ableiten. So stellt das Hoch an einem Gap-Down-Tag (das Tief an einem Gap-Up-Tag) einen Widerstand (eine Unterstützung) dar. Ebenso kann die Abrisskante, also das Tagesextrem vor Auftreten des Gaps, ein Widerstand bzw. eine Unterstützung sein.

Die Gap-Level können für Einstiege oder Kursziele genutzt werden. Dabei sollten Trader antizipieren, dass auch andere Händler auf diese Kursmarken schauen und Orders im Zweifel bereits kurz vor Erreichen des Gap Close bzw. von Widerstand oder Unterstützung setzen.

 

B1) Gap Close bei K&S

Der Chart zeigt die Aktie von K&S, bei der es zu einer klassischen Schließung der Kurslücke kam (siehe Markierung). Bei Vergleich der Intraday-Daten blieb nur eine minimale Kurslücke von wenigen Cents bestehen.

Gap Close Aktien Chart

 

Quelle: WH SelfInvest, Nano Trader

 

 

 

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