Trading-Grundlagen 07: Charttechnik

Die Chartanalyse wird oft als Teilgebiet der Technischen Analyse betrachtet, ist aber nach genauer Definition eine eigenständige Methode. Während bei der Technischen Analyse Indikatoren und Oszillatoren anhand klar definierter Formeln berechnet werden, basiert die Chartanalyse auf Trendlinien, Widerstand und Unterstützung sowie Kursmustern (zum Beispiel Dreieck, Flagge oder Schulter-Kopf-Schulter-Formation).

Das zentrale Argument für die Charttechnik sind wiederkehrende Verhaltensweisen der Masse der Marktteilnehmer in bestimmten Situationen. Insbesondere dann, wenn starke Emotionen wie Angst oder Gier aufkommen, reagieren viele Akteure mitunter unüberlegt und heftig, sodass hieraus entsprechende Trading-Chancen erwachsen können. Die Charttechnik ist ein einfaches Mittel, um solche Gelegenheiten zu erkennen.

Zudem nutzt die Chartanalyse Erfahrungswerte aus der Vergangenheit, die sich als „Daumenregeln“ immer wieder bestätigt haben und aus denen zum Teil bekannte Börsenweisheiten erwachsen sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Tatsache, dass sich ein einmal etablierter Trend tendenziell eher fortsetzt, als sich umzukehren. Erkennbar sind solche Trends – egal, auf welcher Zeitebene – durch einfaches Zeichnen einer Trendlinie im Kurschart. Aus der Beobachtung der häufigen Trendfortsetuung entstanden im Lauf der Zeit Börsenweisheiten wie „Don't Fight the Trend. The Trend is Your Friend“ (Kämpfe nicht gegen den Trend an. Der Trend ist dein Freund).

Wie alle Analyseformen bietet natürlich auch die Chartanalyse keine absolute Gewissheit. An den Finanzmärkten herrschen stets Unsicherheit und Risiko. Was Chartanalyse aber ermöglicht, sind Aussagen über mehr oder weniger wahrscheinliche Kursbewegungen. Anhand der Analyse, wo sich der Kurs im übergeordneten Chartbild befindet und wie er sich verhält, lassen sich entsprechend günstige Ein- und Ausstiegspunkte ermitteln bzw. umgekehrt ungünstige Situationen vermeiden.

Die Chartanalyse ist – mehr noch als die Technische Analyse – für Praktiker gemacht. Viele Profis setzen sie ein, da sie sich oft bewährt hat. Einen handfester wissenschaftlicher Beweis hierfür lässt sich aber kaum liefern, da die Muster und insbesondere deren Interpretationen zu diskretionär für eine objektive Auswertung sind. Daher wird die Chartanalyse – wie auch die Technische Analyse – von Seiten der Wissenschaft als haltlos angesehen („Kaffeesatzleserei“).

Der beste Grund, warum Chartanalyse funktionieren kann, sind stabile Verhaltensmuster der Marktteilnehmer. Wurde eine Aktie beispielsweise stark abverkauft und fällt auf ein früheres Tief zurück, kommen zwei Effekte zum Tragen, die für zumindest kurzfristig steigende Kurse sprechen:

Angebot fällt tendenziell: wer die Aktie besitzt und den Kursrutsch mitgemacht hat, wird nicht verkaufen wollen, da der Kurs momentan wenig attraktiv ist

Nachfrage steigt tendenziell: wer die Aktie vor einer Weile kaufen wollte, aber den Einstieg verpasst und bisher nur zugeschaut hat, findet das niedrige Kursniveau attraktiv zum Kaufen

Oft ist in dieser Situation zu beobachten, dass sich der Kurs zumindest stabilisieren, wenn nicht sogar steigen kann. Natürlich kann es auch sein, dass sich die Psychologie bei einem sehr starken Kursrutsch umkehrt und alle in Angst und Panik geraten, sodass die Kurse weiter fallen. Meist aber bietet das alte Tief tatsächlich eine Art Unterstützung, von der aus ein (kurzfristiger) Anstieg erfolgt.

Chartanalyse im DAX

Dargestellt ist der DAX-Tageschart mit einer Unterstützung bei 9300 Punkten, einem Widerstand bei 10500 Punkten und einem Abwärts-Trendkanal.

Technische Analyse Börsenindizes basierend auf Charts

Quelle: WH SelfInvest, NanoTrader

 

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