Die häufigsten Fehler: Zu große Positionen

Die häufigsten Fehler: Zu große Positionen

Viele Dinge an der Börse sind Interpretationssache. Zum Beispiel finden sich sowohl gute Argumente dafür, mit dem Trend zu handeln, als auch dagegen. Doch bei einigen Dingen sprechen die Fakten eine klare Sprache. So zum Beispiel, dass zu große Positionen – neben fehlenden Stopps - die Hauptursache für Trader-Pleiten sind.

Trading ist ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Man kann zwar meist nicht genau sagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn-Trade ausfällt, da dies auch vom Marktumfeld abhängt. Sicher ist aber, dass jeder Ansatz früher oder später Verlustserien und damit Drawdowns in der Kapitalkurve produzieren wird.

Spinnen wir die Sache mal weiter. Wenn jede Strategie irgendwann mit Sicherheit Verlust-Trades aufweist, bedeutet das, dass man mit 100% Risiko je Trade – wenn man also immer alles riskiert – auf jeden Fall Pleite geht. Denn selbst nach unzähligen Gewinn-Trades würde ein einziger Verlust ausreichen, alles wieder zu verlieren.

Das ist natürlich ein Extrembeispiel. Wie schaut die Pleite-Wahrscheinlichkeit also für vernünftiges Trading aus? Das Konzept, das diese Frage beantwortet, heißt Risk of Ruin. Nehmen wir ein 10.000-Euro-Konto als Beispiel. Das durchschnittliche Ergebnis je Trade sei +100 Euro und die Volatilität der Einzel-Trades liege bei 1.000 Euro. Im Mittel bringt diese Strategie also Gewinne, kann aber aufgrund der hohen Volatilität auf kurze Sicht erhebliche Drawdowns aufweisen.

Das Problem sind genau diese Drawdowns, die jederzeit auftreten können. Hierfür berechnen wir den Risk of Ruin. Wir quadrieren den Durchschnitts-Trade (100 Euro) und die Volatilität (1.000 Euro), addieren beide Werte und ziehen die Wurzel aus dem Ergebnis, was rund 1.005 ergibt. Der Risk of Ruin berechnet sich aus (2 / (1 + (100 / 1.005)) - 1) ^ 10.000 / 1.005 = 0,819 ^ 9,95 = 13,71%.

Im Klartext heißt das: Wir haben eine grundsätzlich funktionierende Strategie, die auf lange Sicht eine steigende Kapitalkurve produziert. Aufgrund der hohen Volatilität der einzelnen Trade-Ergebnisse kann es aber sein, dass eine Verlustserie auftritt, von der sich das Konto nicht mehr erholen kann. Je größer die Positionen sind, desto gravierender wirken sich diese Verluste aus. Oder anders gesagt: Je größer die Positionen, desto wahrscheinlicher wird es, (fast) alles zu verlieren, bevor die Verlustserie endet und die Strategie wieder Gewinne abwirft.

Erfolgreiche Trader handeln nicht groß, sondern klein. Natürlich immer relativ zu ihrer Kontogröße, dem Zeithorizont und der Absicherung. Sie sind erfolgreich, weil sie eine Handelsstrategie haben, die reproduzierbare Trades mit Gewinnvorteilen erzeugt. Aber sie sind auch deswegen erfolgreich, weil sie ihren Risk of Ruin kennen. Sie wissen, dass der nächste große Drawdown jeden Moment beginnen kann und handeln daher konstant und nachhaltig.

Viele Einsteiger bringen dafür nicht die nötige Geduld auf. Statt mühsam klein zu traden und das Konto langsam nach oben zu handeln, möchten sie schnell große Gewinne erzielen. Das wiederum veranlasst sie, große Positionen zu eröffnen – nicht selten zu große. Entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit, zu scheitern – selbst dann, wenn die Strategie prinzipiell einen positiven Erwartungswert hat.

 

B1) Zu große Position

Als Trader muss man sich bewusst sein, dass an der Börse immer alles passieren kann. Was, wenn man eine große Long-Position in einer Aktie wie GEA eröffnet, die plötzlich über Nacht eine riesige Lücke nach unten reißt? Wer kontinuierlich kleine Positionen handelt, kann durch ein solches Einzelereignis kaum aus der Spur geworfen werden. Wer zu groß tradet, steckt dagegen – auch emotional – schnell in der Falle.

Chart GEA Aktien CFD

Quelle: WH SelfInvest, Nano Trader

 

 

 

 

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