Das konntest du in 50 Jahren am Aktienmarkt verdienen

Heute habe ich eine eindrucksvolle Grafik für dich. Sie stammt vom Deutschen Aktieninstitut und zeigt, wie hoch die Renditen in den letzten 50 Jahren waren, wenn du in ganz bestimmten Jahren gekauft und in anderen wieder verkauft hast. [1] Zur Berechnung werden einfach die DAX-Kurse am Ende des jeweiligen Jahres herangezogen.

Das Renditedreieck zeigt Erstaunliches. Langfristig lohnt es sich ganz klar, in Aktien zu investieren. Bei Kauf im Jahr 1964 und Verkauf 2014, also über 50 Jahre, lag die jährliche Rendite bei 7,3%. Das ergibt eine Gesamtsteigerung von sage und schreibe +3250%.

Oder anders gesagt: Aus 10.000 Euro wurden 325.000 Euro. Langfristig sind Aktien einfach die beste Wahl. Ein wichtiger Grund, warum die Renditen auf lange Sicht so hoch sind, ist der Zinseszinseffekt, der vor allem über die Reinvestition der Dividenden entsteht.

Das heißt im Klartext: Je jünger du bist, desto höher sollte dein Aktienanteil sein. In jungen Jahren ist es sogar sinnvoll, dein komplettes langfristiges Sparguthaben – also Geld, auf das du nicht zwischenzeitlich angewiesen bist – in Aktien zu halten.

Schön und gut, aber sind Aktien nicht auch ziemlich riskant? Die Antwort: Es kommt darauf an. Wenn du nur kurzfristig und in einzelne Aktien investierst, dann ja. Das kann sogar sehr riskant sein.

Langfristig und bei Investition in einen breiten Index sind Aktien aber sicher. Der längste Zeitraum, in dem du in den letzten 50 Jahren selbst bei miserablem Timing einen Verlust gemacht hättest, waren 12 Jahre (bei Kauf 1999 und Verkauf 2011, Berechnung auf Jahresend-Basis).

Das Renditedreieck zeigt aber auch, dass es durchaus darauf ankommt, wann du investierst. Gutes Timing kann schnell zu einer über Jahre doppelt so hohen Rendite wie schlechtes Timing führen.

Beispiel 1: Kauf im Jahr 1999, Verkauf 2008. In diesem Fall lag der Kauf am Hoch der Internetblase und der Verkauf am Tief der Finanzkrise. Pro Jahr hätte das einen Verlust von 4% bedeutet, oder rund -31% über 9 Jahre. Die schlechteste Phase für Aktien in 50 Jahren.

Beispiel 2: Kauf im Jahr 2008, Verkauf 2014. Das umgekehrte Beispiel. Da 2008 scheinbar “die Weltwirtschaft unterging”, war das ein grandioser Kaufzeitpunkt. Kauf am Tief der Finanzkrise und Verkauf Ende letzten Jahres. Das brachte 12,6% pro Jahr, oder rund 104% über 6 Jahre.

Beispiel 3: Richtig gut war die Aufschwungsphase der 1980er und 90er Jahre. Eine Haltedauer von 20 Jahren von 1980 bis 2000 brachte 14,7% pro Jahr oder insgesamt rund 1450%.


Wer also in “guten Zeiten” investiert, erzielt niedrigere Renditen. Denn dann sind die Kurse schon kräftig gestiegen und die Zukunftserwartungen hoch – meist zu hoch. Oft kommt es anschließend zu einer Schwächephase, die man erst wieder aussitzen muss. Günstiger ist es daher, einzusteigen, wenn es an den Märkten gerade so richtig gekracht hat.

Für Aktien im Euro-Raum gibt es eine ähnliche Rückrechnung wie für den DAX. Diese basiert auf den Kursen des EURO STOXX 50 zuzüglich der Dividenden seit 1986. [2] Hier zeigt sich ein ganz ähnlicher Effekt. Die Links zu beiden Grafiken in hoher Auflösung als PDF findest du unten in den Quellenangaben.

Wie kannst du nun breit gestreut langfristig am Aktienmarkt investieren? Ideal sind dazu kostengünstige Indexprodukte, sogenannte Exchange Traded Funds, auf Indizes wie den DAX oder den EURO STOXX 50. Ich selbst halte zum Beispiel seit 2008 ETFs auf den EURO STOXX 50.

Am besten ist der Einstieg, wenn die Kurse gerade deutlich gefallen sind. Meist schaffen Privatanleger genau das aber nicht, sondern kaufen erst, wenn die Kurse schon weit gestiegen sind. Warum das so ist, werde ich dir in einem späteren Beitrag erzählen.

Das Gute an einer Langfristanlage ist, dass du nichts weiter machen musst, als abzuwarten. Das wusste schon der legendäre Trader und Investor Jesse Livermore. Wenn du außerdem von Zeit zu Zeit zukaufst, wenn es am Markt mal wieder gekracht hat, kannst du langfristig eine hervorragende Rendite erzielen.

“After spending many years in Wall Street and after making and losing millions of dollars I want to tell you this: it never was my thinking that made the big money for me. It was always my sitting. Got that? My sitting tight!” (Jesse Livermore)

Leider ist es aber so, dass in Deutschland nur wenige an diesen Chancen teilhaben. Laut dem Deutschen Aktieninstitut ist die Aktienkultur in Deutschland desaströs. Trotz der letzten guten Börsenjahre sind nur noch 8,4 Millionen Menschen (13,1 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre) am Aktienmarkt engagiert. [3] Überproportional stark ist zudem die Zahl der jüngeren Anleger gesunken – gerade jene Menschen, die langfristig am stärksten profitieren, da sie sehr viele Jahre an Lebenszeit für den Zinseszinseffekt haben.

Investitionen in deutsche Aktien kommen indes vor allem aus dem Ausland. Bei manchen Unternehmen des DAX liegt der Auslandsbesitz sogar bei 75 Prozent. [3] Das ist ein Vertrauensbeweis in die Leistungsfähigkeit der deutschen Unternehmen. Nur geht diese positive Entwicklung an denen vorüber, denen es nutzen sollte – an der deutschen Bevölkerung.

Denk bitte das nächste Mal, wenn du von “riskanten Aktien” hörst, an diesen Beitrag. Wenn du selbst möglichst einfach investieren möchtest, dann warte auf einen kräftigen Rücksetzer, oder kaufe über die Jahre scheibchenweise zu. Und investiere langfristig in Indexprodukte, um sichergehen zu können, dass die Rechnung am Ende auch aufgeht.



Quellen:

[1] Deutsches Aktieninstitut, 50 Jahre Aktien-Renditen, Zugriff am 29.04.2015,

https://www.dai.de/files/dai_userconten ... %20Web.pdf



[2] Deutsches Aktieninstitut, Stock Returns in the Eurozone since 1986, Zugriff am 29.04.2015,

https://www.dai.de/files/dai_userconten ... %20Web.pdf



[3] Deutsches Aktieninstitut, Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts 2014, Zugriff am 29.04.2015,

https://www.dai.de/files/dai_userconten ... 202014.pdf

 

 

 

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