Das Chance-Risiko-verhältnis (CRV) richtig verstehen (Teil 2)

Das Chance-Risiko-verhältnis (CRV) richtig verstehen (Teil 2)

 

Hohes CRV bedeutet nicht gleich hoher Gewinn

Im ersten Artikel dieser Reihe haben wir Kritik geübt an den oft formulierten Rat „handle nur Trades, die ein hohes CRV versprechen.“ Diese Kritik speist sich aus der Erfahrung, dass je höher das Kursziel formuliert wird, desto unwahrscheinlicher ist es, dass dieses Kursziel auch tatsächlich erreicht wird. Das vermeintlich hohe CRV entpuppt sich dann in der Realität als ein bescheidenes oft auch schlechtes CRV. Um dies zu verdeutlichen, schauen wir zwei hypothetische Trader an. Trader A geht nur Trades ein mit einem potentiellen CRV von 1:3. Trader B dagegen hat ein ganz anderes System. Er handelt CRVs von 1:1. Beide Trader machen 100 Trades.

Trader A

Gewinn-Trades: 25

Verlust-Trades: 75

 

Trader B

Gewinn-Trades: 65

Verlust-Trades: 35

Auf Grund der höheren Wahrscheinlichkeit erreicht Trader B das Kursziel öfter als Trader A. Deswegen ist seine Trefferquote naturgemäß höher. Wie sieht es nun mit der Profitabilität aus?

Trader A: 25 X 3 = 75

                  75 x 1 = 75

Ergebnis:                  0

 

Trader B: 65 x 1 = 65

                  35 x 1 = 35

Ergebnis:                20

 

Trotz des viel schlechteren CRVs (lediglich 1:1) hat Trader B ein profitables System. Er hat mit 100 Trades 20 Punkte erwirtschaftet. Dies mag zunächst bescheiden klingen, realisiert er aber dieses Ergebnis konsistent, könnte er über ein sehr profitables System verfügen.

Trader A dagegen setzt zwar auf hohe Kursziele, diese wurden aber lediglich in 25% der Fälle erreicht. Die Gewinne reichten dann nicht, um die vielen Verluste zu kompensieren. Sein Ergebnis ist gerade mal Break-Even (vor Kosten und Kommissionen).

Realistische Kursziele oft besser

Dieses Beispiel zeigt, dass nicht zwangsläufig der Trader mit den ambitionierten Kurszielen über das profitabelste System verfügen muss. Ganz im Gegenteil. Der Trader, der die realistischen (erreichbaren) Kursziele wählte, erweist sich als der eigentlich profitable Trader. In seinem Fall entscheidet die Trefferquote (hier 65%) über seinen Erfolg, denn er riskiert so viel wie er gewinnen möchte.

Wie könnte ein solches System mit bescheidenen Kurszielen aussehen? Als Beispiel schauen wir den Chart eines Traders an, der nicht auf hohe Gewinne setzt, sondern Trading-Ranges handelt. Er kauft die Unterstützung mit Kursziel Widerstand und er verkauft den Widerstand mit Kursziel Unterstützung.

EUR/USD, 1-Stunden-Chart

 

Chart EUR/USD

Dieses Beispiel aus dem EUR/USD veranschaulicht die Methode des Range-Traders. Damit die Range als solche identifiziert werden konnte, mussten zumindest zwei signifikante Berührungen stattfinden damit eine Unterstützungs-Zone und eine Widerstands-zone festgestellt werden konnten.

Der Range-Trader machte in dieser Marktphase insgesamt 5 Trades. Jedes Mal, wenn der EUR/USD den Widerstand bei 1,0980 erreichte (obere horizontale Linie) ging er Short (Pfeile oben). Sobald der Kurs die Unterstützung bei 1,0800 erreichte, kaufte er den EUR/USD (Pfeile unten). Wie wir sehen können, war er damit sehr erfolgreich. Zwei von den Shorts erreichten das Kursziel. Der dritte Short wurde durch den Ausbruch nach oben ausgestoppt (dritter Pfeil rechts).

Sein Kursziel war jeweils 180 Pips entfernt. Zwar stand sein erster Long-Trade lange Zeit im Verlust, der Stop (auf 180 Pips) wurde nicht erreicht.

Ergebnis:

Gewinn-Trades: 4 X 180 = 720

Verlust-Trades:  1 x 180 = 180

Total:                               540

 

 

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